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Hirtenbrief zum Hirtensonntag

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte (Joh 10,11a)

Liebe Schwestern und Brüder,

der kommende Sonntag ist im Kirchenjahr durch Evangelium und gottesdienstliche Texte geprägt vom guten Hirten. Die Bilder in Psalm 23, der dem Sonntag den Namen gibt, tragen seit Generationen auch durch tiefe Täler.

Wir erleben alle seit vierzig Tagen massive Einschränkungen, auch in unserem gewohnten kirchlichen Leben, und können uns nicht an einem Ort um Wort und Sakrament versammeln. Was uns allen vertraut und selbstverständlich erschien, war auf einmal nicht mehr möglich; gerade in der Kar- und Osterwoche haben wir die Gemeinschaft im Abendmahl besonders schmerzlich vermisst. Die gefundenen Wege, das Evangelium medial zu verbreiten und gemeinsam am Telefon und Bildschirm zu beten, sind großartig und phantasievoll. Sie können die leibhaftige Begegnung freilich nicht ersetzen. Wir haben schon vor den Verordnungen der staatlichen Infektionsschutzmaßnahmen gottesdienstliche und andere Versammlungen untersagt. Dies ist uns nicht leicht gefallen, war aber nach unserer Einschätzung aufgrund der Gefährdung der Nächsten eine Entscheidung in der Not um aller Menschen willen.

Wir danken Ihnen, dass Sie die massiven Einschränkungen in den Gemeinden und Einrichtungen mit großer Umsicht und Engagement mittragen.  Mit dem Psalmbeter wissen wir: „Ob ich schon wanderte im finsteren Tal, du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Christus führt als guter Hirte auch in dieser Zeit. Unser Auftrag, das Evangelium zu verkündigen und Menschen in seelischer Not zu besuchen, wenn wir gerufen werden, bleibt bestehen. Wir ermutigen Sie, alles Mögliche zu tun, um diesen Dienst am Menschen wahrzunehmen. 

Gleichzeitig werden wir in dieser Zeit an die Grenzen des menschlich Machbaren erinnert und sehen, wie zerbrechlich unsere Pläne und unser Leben sind. In der Erfahrung des Unverfügbaren haben sich vielen Menschen für geistliche Angebote geöffnet. Dem Gebet wird viel zugetraut in dieser Zeit. Wir bleiben als betende Kirche bei unserem Herrn und halten unsere Kirchen für das Gebet geöffnet.

Wir erfahren in diesen Tagen, dass der Tod zum Leben gehört; das verschärft für uns als Seelsorgerinnen und Seelsorger die Frage, wie wir mit dem Sterben umgehen.
Im Predigttext 1. Petrus 2, 21-25 wird deutlich: Der gute Hirte Jesus Christus leidet mit den Leidenden und stirbt mit den Sterbenden. Darf uns dies Trost sein in einer Zeit, in der das Recht auf Begleitung Sterbender mancherorts vor Gericht erstritten werden muss, wie es einer unserer Pfarrer mutig getan hat? Wir leben in der österlichen Hoffnung. Nicht der Tod siegt, sondern unser Herr, der den Tod durch seinen Tod besiegt hat. Und allen das Leben bringt.

Mit den zunehmenden Möglichkeiten, wieder Gottesdienste in den Kirchen zu feiern, übernehmen Sie als Gemeindekirchenräte in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst die Verantwortung für die Gestaltung des geistlichen Lebens in Ihrer Gemeinde unter den Bedingungen des Infektionsschutzes. Dass Zusammenkünfte wieder möglich sind, ist ein Grund zur Freude. Wir ermutigen Sie aber dazu, die Wege so zu gehen, wie sie für Ihre Gemeindesituation angemessen sind. Lieber gemeinsam später als verstritten zu früh.

In den letzten Wochen sind viele Möglichkeiten entstanden, das Evangelium auf anderen Kommunikationswegen zu bezeugen. Dadurch werden Menschen angesprochen, die bislang in der Gemeinde nicht sichtbar waren. Wir bitten Sie zu bedenken, wie diese Möglichkeiten auch zukünftig genutzt werden können. Wir bitten die Gemeindekirchenräte mit den Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst sorgsam zu prüfen, welche Formen dem Aufbau der Gemeinde dienen. 

Mit Blick auf unseren guten Hirten vertrauen wir darauf: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen ein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“ 

In herzlicher Verbundenheit

Friedrich Kramer Landesbischof
Christoph Hackbeil Regionalbischof Stendal-Magdeburg
Dr. Jutta Noetzel Senior Reformierter Kirchenkreis
Dr. Dr. h. c. Johann Schneider Regionalbischof Halle-Wittenberg
Tobias Schüfer Regionalbischof Meiningen-Suhl
Dr. Friederike Spengler
Dr. Christian Stawenow

Anlagen:
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