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MONATSSPRUCH NOVEMBER

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.
Jeremia 31, 9

 

Die bekannte Theologin und Schriftstellerin Dorothee Sölle formulierte folgendermaßen eine Bitte an Gott: Gib mir die Gabe der Tränen! Der Wert der Tränen also eine wertvolle Gabe, die im Volksmund auch bezeichnenderweise als“Perlen“ bezeichnet wird.

Und so passt es eigentlich gar nicht, den Monat November auch den „Monat der Tränen und des Weinens“ zu bezeichnen, wie ich es vor kurzem las.

Oder doch? Der Monat beginnt mit dem katholischen Feiertag „Allerheiligen“. Menschen besuchen die Gräber ihrer Liebsten, schmücken sie und stellen Lichter auf; den meisten von ihnen rinnen dabei die Tränen.

Diese Tränen nennt der Fachmann „emotionale Tränen“, geboren aus der Traurigkeit der Seele. Sie sollen sogar bis zu einem Viertel mehr Proteine enthalten als die „Reflextränen“ – also die Tränen als unwillkürliche Reizbeantwortung.

Dem Allerheiligentag folgen in der evangelischen Kirche der Buß - und Bettag und der Ewigkeitssonntag (Totensonntag).

Und nun hält der November noch einen Tag bereit, der in der Folge Tränen der Trauer im Übermaß hat fließen lassen:

Wer erinnert sich nicht der furchtbaren Bilder in Filmen und Dokumentationen, da in Deutschland am 9. November 1938 Juden in der Nacht aus ihren Wohnungen abgeholt und auf offene Lastwagen gestoßen wurden - zum Abtransport in die einzelnen Vernichtungslager. Parallel dazu wurden in dieser Nacht Synagogen angezündet und Geschäfte zerstört, weswegen der 9. auf den 10. November auch „Reichsprogromnacht“ und „Kristallnacht“ genannt wird.

Emotionale Tränen der Trauer hier wie auch die, die an die Opfer der Novemberrevolution am 9. November 1918 erinnern!

Und dann folgte – wieder an einem 9. November – dem 9. November 1989 ein Tag der Tränen, aber es waren, wie Bundestagspräsident Schäuble sie am vergangenen 3.Oktober nannte „Tränen der Freude“.

Menschen aus Ost und West fielen sich vor Freude weinend in die Arme.

Unser Monatsspruch weiß um die Problematik der verschiedenen Arten des Weinens und um die Reaktion unseres Gottes.

Gott tröstet die im November an den Gräber Stehenden, wie auch die noch lebenden Angehörigen der ermordeten Juden.

Er veranlasste unsere Generation, Gedenkstätten zu errichten.

Und die Freudentränen der wieder vereinigten Deutschen leitete er über in die Hoffnung auf Akzeptanz der neuen Verhältnisse und Situationen.

 

Verfasserin Orla Danz

 

 

Wir beten

Herr Gott, Freude und Schmerz liegen in vielen Menschenleben nah beieinander.
Wir bitten Dich um deinen Trost und dein Geleit, indem du uns Menschen an die Seite stellst,
die unser Leid mittragen und an unserer Freude teilnehmen, als sei es die ihre.

AMEN