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Psalm 66, 20 zum Sonntag Rogate

In einer Flut von Bildern mit betenden Menschen fällt mir ein besonderes Bild auf: Es zeigt ein etwa fünfjähriges Mädchen, das die Hände faltet. Gemalt wurde das Bild von einer deutschen Portraitmalerin. Ob sie eines ihrer eigenen Kinder gemalt hat? Dann würde dies von dem Geist zeugen, der in der Sphäre der Familie zuhause ist, in die das Kind hinein geboren wurde.

Die Haltung des betenden Kindes ist geprägt von einer natürlichen Innigkeit. Es wird seine Gebete in das vor ihm liegende Leben mitnehmen. Sie werden ihm einmal als erwachsenem Menschen ein wertvoller Halt sein, abzurufen womöglich in Lebenslagen, die selbst nicht mehr zu bewältigen sind. 

Solche Familien werden immer weniger und immer mehr Menschen haben das Gebet nicht mehr kennen gelernt. Sie können in Problemzeiten nicht auf einst Gelerntes zurückgreifen. So kennen sie auch keine Fürbitte für andere Menschen.

     Und dennoch sind sie im Fall einer Not nicht der Verzweiflung ausgesetzt.

Viele Bitten wurden in dieser Krisenzeit an Gott gerichtet, einen Gott, von dem die Bittenden nicht viel, vielleicht gar nichts hielten. Nicht, dass ihre Anliegen sofort oder anders zunächst als anfangs formuliert Gehör bei dem finden, den sie anrufen, aber etwas in ihrer Seele ermutigt sie, nicht aufzugeben und weiter zu beten, auch inständig zu bitten.

     Wir dürfen Gott  - und danach fragen Kinder oft – um alles, auch Kleinigkeiten bitten.

Als Einzelne oder als Gemeinde aber wenden wir uns in den Bitten den Problemen des Lebens zu, wie beispielsweise der Dürre im Land mit seinen verheerenden Folgen, den Auswirkungen der Corona, den katastrophalen Zuständen in den Flüchtlingslagern und nicht zuletzt der Diskussion um menschliches Leben, das im Vergleich zu ökonomischen Folgen an Fürsprechern verliert ...

     Nun aber ist das Gebet nicht allein ein Bittgebet, obwohl es oft so verstanden wird.

Beten ist mehr, ist ein Gespräch mit Gott.

Ohne ein Anliegen vorzubringen, kann ich mit Gott im Gespräch sein.Ich darf ihm meine Situation schildern, darf über Krisen sprechen, darf auch klagen. Gott weiß um jedes Einzelnen Situation. Dies unterstreicht ein Satz im Matthäusevangelium:

     „Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet“. 

Vor Gott alles ausbreiten zu dürfen, macht hoffnungsvoll, weil er in diesem Augenblick als zuhörendes Gegenüber erfahren wird. 

     Ein Drittes und ebenso Wichtiges gehört zum Gebet, was bei uns Menschen leider den kleinsten Part spielt: Das Danken -  das Dankgebet. 

Eigentlich sollte immer beim abendlichen Überdenken des vergangenen Tages ein Dankgebet

diesen Tag abschließen. Und war er auch noch so schwer, es findet sich immer etwas, das des Dankes gegenüber Gott wert war. Und wenn es allein nur das Wissen darum ist, dass Gott mein persönliches Beten wichtig ist. 

Wie tröstlich wirkt da der Wochenspruch im 66. Psalm für den heutigen Sonntag „Rogate“:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.