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Liebe Christinnen und Christen in den Kirchengemeinden unseres Pfarrbereiches!

Ich hoffe, es geht Ihnen gut, Sie sind gut versorgt, und Sie sind trotz Kontaktsperre nicht zu sehr allein. Nun steht das Osterfest bevor und es wird nicht so sein, wie wir es kennen. Die Corona-Krise hat das gewohnte Leben aus dem Takt gebracht. Diese Krise stellt vieles in Frage und wir suchen nach Antworten. Eine Frage für mich ist: Wir gehen wir als Christen damit um? Was ist das Wesentliche unseres Glaubens und wie kann er seine Kraft als Lebensermutigung wieder entfalten? Eine Antwort könnte sein, dass wir wohl bedachter und achtsamer mit einigen Lebensdingen umgehen, unserer Gesundheit und mit unseren Nächsten, Menschen, die zu unserem Leben dazugehören. Sie sind wichtig, und nur gemeinsam können wir schwere Zeiten durchstehen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es trotz des gebotenen körperlichen Abstands mehr Gespräche gibt, Gespräche, die tiefer gehen und anteilnehmender sind als zuvor. So wollen wir uns nicht von Ängsten treiben lassen, sondern diese Zeit als eine Chance verstehen, das Leben wieder neu schätzen zu lernen.  

Ich persönlich habe zudem den Eindruck, dass biblische Texte anfangen in die Zeit in ganz neue Wese hinein zu sprechen. Ihnen entnehme ich Hoffnung und Mut. Gottes Volk durchlebte schon viele schwere Zeiten und konnte erfahren, dass es bewahrt blieb. Das ist auch der Sinn des Osterfestes, das ist die Aussage von Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Das Osterfest weitet unseren Blick – durch die Dunkelheit, durch den Tod, durch das Verderben gibt es ein Hindurch. In der Begegnung mit dem Auferstandenen, wandelte sich tiefe Resignation in Mut und Freude.  

Daher wollen wir das Osterfest gebührend feiern, um daraus ebenso die Kraft zu erlangen, die wir für eine Zukunft brauchen. Mit diesem Brief möchte ich Sie einladen, dass wir, alle, die wir uns als Christen verstehen, gemeinsam das Osterfest begehen und auch entsprechend feiern, auch wenn wir uns in den Kirchen nicht treffen können. Das kann ein Zeichen für die anderen sein, ein Zeichen für diese Welt, die aus den Fugen geraten ist. 

 

Und so können wir es tun: 

Aber vorab eine mutmachende Geschichte: 

In einer Überlieferung aus dem einst christlichen Ägypten, das unter muslimische Herrschaft geriet, wird erzählt, dass der Kalif alle Kirchen schließen ließ. Dann ging er durch die Straßen der Stadt, um die Schließung zu kontrollieren. Aber aus einem jeden christlichen Haus drang der Lobpreis Gottes, in Gesängen und Gebeten. Er musste feststellen, dass zwar die Kirchen der Stadt geschlossen waren, aber in einem jeden Wohnzimmer eine neue Kirche eröffnet wurde. 

Ich finde diese Geschichte wunderbar und sie soll uns gemeinsam leiten.  

 

Gründonnerstag: 

Gründonnerstag, Fest der Erinnerung an das erste Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte. Es gleichsam ein Abschiedsmahl. Er fordert sie, die Jünger, die Menschen, die mit ihm am Tisch sitzen, auf, dieses Mahl immer zu seinem Gedächtnis, in Erinnerung an ihn, zu feiern und macht deutlich, dass er selbst in und mit Brot und Wein gegenwärtig sein wird. 

Wie können wir es feiern? Wir treffen uns am Gründonnerstag alle in unseren Wohnungen zum Glockengeläut um 19 Uhr und feiern ein Agapemahl, ein Mahl der Liebe, mit allen, die im Hause sind. Achtung, das ist kein Abendmahl, aber nimmt das Motiv auf, wie Jesus mit den Menschen seiner Zeit zusammen gegessen hat. (Wer kann, der backe zuvor ein einfaches Fladenbrot, nicht zu groß und stelle Traubensaft oder Wein dazu.)

Wenn man um den Tisch versammelt ist, lese man aus der Bibel Psalm 111 und das Evangelium aus Matthäus 26,17-30. Es folgt das Vaterunser. Dann teile man miteinander das Brot und anschließend bekommt jeder einen Becher mit dem Traubensaft. Jeder isst ein Stück Brot, jeder trinkt aus seinem Becher. Ein Segenswort kann das Gedächtnismahl abschließen. Das kann kurz sein: So geht im Frieden des Herrn: Es segne und behüte uns Gott der Allmächtige und Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. 

Eine andere Möglichkeit ist, dass man das Gottesdienstvideo auf unserer Website unter www.evangelische-kirche-lsz.de einschaltet und da Lieder und Lesungen hört, und anschließend Brot und Traubensaft teilt. Danach bleibe man wie bei den ersten christlichen Gemeinden noch zusammen, man esse miteinander – und wenn man kann singe man geistliche Lieder. Die Lieder aus Taizé sind kurz und schnell zu lernen. Übrigens, da es ja kein Abendmahl ist, kann es auch ein gedeckter Abendbrottisch sein, vielleicht mit Oliven, und Schafskäse. Ihnen fällt bestimmt noch etwas dazu ein! Ach, ein Kreuz sollte in der Mitte sein, vielleicht auch eine Kerze. 

 

Karfreitag, der Tag der Kreuzigung und des Todes Jesu: 

Man stelle sich zu Hause ein Kreuz oder Kruzifix auf. Wenn man keines hat, lege man vielleicht zwei Holzstücke kreuzweise übereinander und stelle eine Kerze dazu, ggf. lege man die Hausbibel dazu. Am Morgen oder zur Sterbestunde Jesu, 15 Uhr, lese man die Passionserzählung aus einem der Evangelien, vielleicht aus Lukas 23,32-49. Es folgt ein Moment der Stille, im Gedenken Jesu Tod, dann folgt das Vaterunser. Eine Orgelmusik wäre ein guter Abschluss, zum Beispiel das Gebet zu Orgelmusik von Christian Hofmann, das man auf unserer Website findet.  Orgelmusiken aus der Bergkirche haben wir hier auch im Gemeindebüro noch vorrätig. 


Ostern:

Die Osternachtfeier wird in den Kirchen unseres Pfarrbereiches per Videoaufzeichnung ebenso auf unserer Website zu finden sein. Das Osterfeuer wird an der Bergkirche entzündet und anschließend das Osterlob in der Kirche gesungen. Die Hinführenden Lesungen, die deutlich machen, dass Ostern nicht aus heiterem Himmel kommt, sondern Gottes Plan der Heilwerdung der Erde und der Menschen entspricht, hören wir aus der Kirche in Thamsbrück (Ps. 11814-24/Jesaja 26, 13-19). Das Osterevangelium aus Matthäus 28, 1-10 wird in der Kirche von Ufhoven gelesen, da wo die Frauen vom Ostermorgen den Altar flankieren. Tauferinnerung feiern wir in Merxleben. 

Die Osternachtfeier wird in kurzen Abschnitten von Ort zu mitzuverfolgen sein. Wer selbst kleine Osterkerzen zu Hause aufstellen möchte, der kann sich welche aus der Bergkirche holen. Sie liegen in einem Karton auf dem Altarstufen bereit.  

Wer kein Internet hat, oder es auch ablehnt, am Bildschirm einen Gottesdienst zu feiern, der kann am Ostermorgen das Kreuz in seinem Haus mit Blumen schmücken und eine Osterkerze entzünden und das Osterevangelium aus Markus Kap. 16 lesen. Anschließend bete man das Vaterunser und spricht den Segen. Übrigens: Eine Osterkerze kann man auch selbst gestalten. Sollte man kein Zierwachs zur Verfügung haben, dann nehme man die rote Hülle der kleinen Käsebällchen (Babybell), die es im Supermarkt zu kaufen gibt. 

Auf jeden Fall: In der Osternacht, zum Beginn des Auferstehungsfestes, läuten um 21 Uhr die Glocken unserer Kirchen, und am Ostersonntag um 10 Uhr – hörbare Zeichen unserer Gemeinschaft in unseren Kirchengemeinden und des beginnenden Gebetes.  

Und zum Schluss: Für das Osterfest empfehle ich Ihnen ein Osterbrot zu backen, mit Milch, Rosinen (wer mag) und Honig, gleichsam der Verheißung Gottes an sein Volk, dass er ihnen ein Land geben wird, in dem Milch und Honig fließen werden – sinnbildlich für ein glückliches und erfülltes Leben in der Gemeinschaft Gottes. 

 

Ich wünsche Ihnen Mut und Freude, das Osterfest trotz oder auch gerade wegen der besonderen Situation, in anderer Weise zu feiern und so vielleicht auch das Osterfest in neuer Weise für sich neu zu entdecken. Wir wissen ja, uns sind im letzten Jahrhundert so einige gute Traditionen verloren gegangen. Die Corona-Zeit könnte eine Zeit sein, sie wieder zu entdecken und aufzunehmen. 

 

Ihnen allen, wünsche ich eine besinnliche Zeit in der Karwoche mit Gründonnerstag und Karfreitag und frohes und gesegnetes Osterfest. Bleiben Sie gesund und wohlbehalten und Gott anbefohlen. 

Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie einfach im Pfarramt an. 

 

Ihr Pfarrer 
Dirk Vogel